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Impuls



„Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid“ (Epheser 1,18)


Bei einem Stadtbummel während unseres Urlaubes im Bayrischen Wald fiel uns ein Modegeschäft auf. In zwei großen, sparsam dekorierten Schaufenstern konnte man die herrlichsten Dirndl und manch andere Modestücke sehen. In jedem der beiden Schaufenster aber befand sich noch mit großen Buchstaben ein Zitat. Doch stand hier nicht 'Kleider machen Leute' - das hätte ich am ehesten erwartet - sondern ausgerechnet das nachdenkliche Wort von Antoine de Saint-Exupéry: 'Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.' Für ein Modegeschäft, das auf den 'Blickfang' und den 'Augenschmaus' setzt, ist solch ein Satz ja schon fast geschäftsschädigend, aber umso mutiger!

Doch nicht immer sehen auch 'die Augen des Herzens' gut, geschweige denn alles. Auch sie können getrübt oder kurzsichtig werden. Das gilt besonders im Blick auf die Auferstehung Jesu, auf die ja der obige Vers in seinem Zusammenhang zielt:

'Gott hat Christus von den Toten auferweckt und ihn eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel' (Eph. 1,20)

An diesem Satz hängt alles. Ohne ihn wäre der Brief an die Epheser gar nicht geschrieben worden, ja überhaupt keine Zeile des neuen Testamentes. Doch ist die Wirklichkeit der Auferstehung unserem Blick verborgen, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen. Man kann niemandem befehlen, daran zu glauben; auch ist die Reichweite unserer besten Argumente begrenzt. Das spüren wir immer wieder im Gespräch mit Nichtchristen.
So mag es dem württembergischen Pfarrer Christoph Blumhardt ergangen sein bei seinen vielfältigen Gesprächen mit seinem Freund August Bebel. Er konnte ihn nicht von seinem Glauben überzeugen. Als eines Tages Blumhardt die Nachricht überbracht wurde, sein Freund August Bebel sei gestorben, sagte er deshalb in seinem unnachahmlichen Schwäbisch: 'Der wird aber Auge mache.'

Doch ist nicht der Zweifel an der Osterbotschaft normal? Wir finden ihn bereits in den Evangelien selbst. Wo immer die Auferstehung Jesu verkündigt wurde, stieß die Botschaft zunächst auf Kopfschütteln. Da heißt es: 'Ihre Augen waren gehalten.' Oder: 'Sie erkannten ihn nicht.' Der ungläubige Thomas mutet in seinem Realitätssinn geradezu modern an, wenn er nur gelten lassen will, was er selbst sehen und befühlen kann. Und bei der letzten Begegnung auf dem Berg heißt es: '... etliche aber zweifelten' (Mt. 28,17). Ganz ähnlich bekennt es Fjodor Dostojewski:'Mein Hosianna geht aus Feuerproben des Zweifels hervor.'

Die Auferstehung Jesu von den Toten ist wirklich die große Überraschung. Hier bedarf es 'erleuchteter Augen des Herzens', damit wir schon jetzt 'Augen machen.' Mit diesen 'erleuchteten Augen des Herzens' sehen wir erst wirklich gut - nämlich das einzig Wesentliche, mit dem wir leben und sterben können - die Hoffnung auf Gottes ewiges Reich, zu der wir berufen sind.

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt Sie

Johannes Berthold, Vorsitzender des Sächs. Gemeinschaftsverbandes
 
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