Gemeinschaftsstunde - Gottesdienst als Doppelpack?

Nehmen wir einmal an, die Gemeinschaftsstunde wäre abgeschafft. Wir hätten mehr Zeit. Mehr Zeit zum Ausruhen, mehr für die Familie und natürlich auch, um die vergangene Woche nachzuarbeiten. Und wir hätten Zeit für unsere „Stille Zeit“. Und dann: Wir brauchten nicht mehr zu begründen, warum diese Stunde stattfindet, wenn schon zu anderer Zeit ein Gottesdienst im gleichen Ort stattgefunden hat. Würde etwas fehlen?

 Irgendwann käme jemand auf die Idee, wir brauchen etwas. Etwas, wo wir als Christenleute Zeit hätten uns zu treffen. Wir singen, bringen das Lob Gottes ins eigene und ins fremde Herz. Wir könnten einen Bibeltext in einem anderen Rahmen als im Gottesdienst zu bedenken und - nicht zuletzt - es käme jemand zu Wort, der mitten im alltäglichen Leben steht. Und immer wieder ein anderer. Wir könnten Gemeinschaft tanken und Gäste wären selbstverständlich willkommen. Wohlfühlen würden die sich sicher.

Eigentlich wurde jetzt gerade die Gemeinschaftsstunde erfunden. Die gibt es! An einigen Orten als Doppel zum Gottesdienst oder für Langschläfer, an anderen als einziger Gottesdienst am Sonntag. Immer ist sie mit verkürzter Liturgie zu erleben. Die Predigt wird von verschiedenen - oft ehrenamtlichen - MitarbeiterInnen übernommen, die übrige Gestaltung richtet sich nach den örtlichen Möglichkeiten. Und immer ist die Möglichkeit gegeben, mitzutun oder ganz ruhig den Zuspruch Gottes zu hören und Kraft für eine vielleicht schwere Woche zu tanken. Gott sei Dank!

Nur manchmal überlegen wir zu wenig, wie sie gestaltet werden kann, damit diese guten Gaben deutlich bleiben. Hoffentlich fehlt uns nicht der Mut, wenn es um nötige Veränderungen geht. Die sind sicher manchmal nötig! 

Ich denke an eine der Ältesten in einer unserer Gemeinschaften. Sonntag für Sonntag und Sommer wie Winter geht sie den Weg in die Gemeinschaftsstunde. Ich ahne, was sie mir auf eine entsprechende Frage antwortete: „Dort finde ich Menschen, die von Gott genauso geliebt sind wie ich, dort kann ich Gott loben für alles Gute, das er mir geschenkt hat und ich darf es gemeinsam mit den anderen tun. Ich höre Gottes Wort, erlebe Gemeinschaft. Gott begegnet mir. Das ist genug. Und deshalb bin ich dabei.“

Siegfried Schneider